Keywords: Follikelphase, zyklischer Frühling, die Junge, weiblicher Zyklus
Es ist Dienstagmorgen, kurz nach acht.
Ich wollte eigentlich nur kurz einen Kaffee trinken und meine Mails checken. Eine Stunde später habe ich nach Italienischkursen gesucht, einen Roadtrip durch Schweden geplant und ernsthaft überlegt, ob neben dem alltäglichen Wahnsinn vielleicht doch noch Zeit für einen Töpferkurs wäre.
Töpfern. Ich. Die ich zuletzt mit Ton gearbeitet habe, als ich neun war und das Ergebnis aussah wie ein missglückter Aschenbecher. Aber in diesem Moment? Völlig logisch. Natürlich ist jetzt der richtige Zeitpunkt.
Willkommen im zyklischen Frühling. Willkommen bei der Jungen.

Was biologisch gerade passiert – und warum das Leben plötzlich wieder leuchtet
Nachdem der Körper die Menstruation hinter sich lässt, beginnt im Hintergrund still und heimlich etwas Schönes.
Die Eierstöcke machen sich wieder an die Arbeit, neue Follikel beginnen heranzureifen, und das Östrogen steigt langsam an. Und mit ihm steigt auch das Gefühl, dass das Leben wieder ein bisschen heller wird.
Fast so, als hätte jemand nach einem langen, dunklen Winter endlich wieder die schweren Vorhänge aufgezogen.
Die Gedanken werden klarer, die Energie kehrt zurück und plötzlich erscheint vieles wieder möglich, was vor ein paar Tagen noch wie eine echte Zumutung gewirkt hat. Kein Wunder, dass viele Frauen diese Phase als pure Aufbruchsstimmung erleben.
Der innere Winter liegt hinter uns. Und der Frühling klopft an die Tür.
Wer ist die Junge?
Sie kommt mit leuchtenden Augen, zerzausten Haaren und tausend Ideen gleichzeitig um die Ecke.
Sie ist neugierig, verspielt und mutig. Und manchmal ein kleines bisschen chaotisch. (Okay, manchmal auch sehr chaotisch. 😄)
Die Junge ist der Teil in dir, der neugierig durchs Leben geht. Der sich begeistern lässt, bevor er weiß, wie etwas ausgeht. Der Chancen sieht, wo andere Risiken sehen. Der sich von neuen Ideen mitreißen lässt und manchmal schon losläuft, bevor der Rest von dir überhaupt verstanden hat, wohin die Reise eigentlich gehen soll.
Sie ist die Entdeckerin in dir. Die, die sich noch überraschen lässt. Die sich traut, etwas zum ersten Mal zu machen. Und die dich immer wieder daran erinnert, dass das Leben nicht nur aus Routinen und To-do-Listen besteht.
Sie flirtet nicht nur mit Menschen. Sie flirtet mit dem Leben.
Wenn die Junge in ihrer Kraft ist
In der Follikelphase fällt Lernen leichter. Wir sind offener für neue Gedanken, neue Perspektiven, neue Erfahrungen. Plötzlich melden wir uns zu einem Kurs an, beginnen ein neues Buch, oder entwickeln eine Idee für ein Herzensprojekt, das uns nicht mehr loslässt.
Und manchmal verlieren wir uns abends um halb elf völlig begeistert in einem Recherche-Rabbit-Hole über mittelalterliche Heilkräuter, die Geschichte Islands oder die Frage, ob wir vielleicht doch irgendwann Stricken lernen sollten. Einfach weil die Neugier gerade größer ist als das Bedürfnis nach Schlaf.
Die Junge liebt das Leben. Und ihre größte Stärke ist nicht ihre Energie.
Es ist ihre Offenheit.
Sie begegnet dem Leben nicht mit der Frage, ob etwas sinnvoll genug ist. Sie möchte wissen, wie es sich anfühlt. Sie erinnert uns daran, dass Freude kein Luxus ist, dass Neugier keine Zeitverschwendung ist, und dass Leichtigkeit nichts ist, das wir uns erst verdienen müssen.
Dein Gehirn ist in der Follikelphase buchstäblich lernfreudiger
Steigendes Östrogen erhöht die Dopaminausschüttung im Gehirn und Dopamin ist direkt verantwortlich für Motivation, Neugier und das Gefühl, dass neue Ideen sich aufregend anfühlen.
Es ist also kein Zufall. Das ist dein Hormonsystem, das dir buchstäblich sagt: Jetzt. Jetzt ist die Zeit für Neues.
Präsentationen, schwierige Gespräche, neue Projekte – das ist dein sweet spot. Nutz ihn.
Die Schattenseite der Jungen
Hier wird es ehrlich. Und ein bisschen vertraut. 😄
Drei angefangene Bücher auf dem Nachttisch. Zwei Onlinekurse, die darauf warten, beendet zu werden. Und irgendwo im Keller steht noch die Nähmaschine, die du dir gekauft hast, weil du für exakt vier Tage fest überzeugt warst, dass Nähen deine neue Leidenschaft wird.
Willkommen auf der Schattenseite der Jungen.
Sie möchte manchmal einfach zu viel auf einmal. Das Leben erscheint ihr voller Möglichkeiten und sie möchte keine davon verpassen. Also sagt sie Ja zu neuen Projekten, neuen Interessen und neuen Plänen – bis die Energie nicht mehr mit der Begeisterung mithält.
Und dann gibt es noch etwas, worüber kaum jemand spricht.
Die Junge bringt nicht nur ihre Neugier mit. Sie bringt oft auch alte Geschichten. Geschichten aus einer Zeit, in der sie gelernt hat, sich mit anderen zu vergleichen, Anerkennung im Außen zu suchen oder zu glauben, erst etwas leisten zu müssen, um wertvoll zu sein.
Dann kippt etwas.
Aus spielerischer Neugier wird der Anspruch, alles richtig machen zu müssen. Aus Leichtigkeit entsteht Druck. Und aus der Lust, Neues zu entdecken, wird das Gefühl, ständig an sich arbeiten zu müssen.
Die Junge verliert dann das, was sie eigentlich ausmacht: ihre Unbeschwertheit.

Was, wenn sich dein Frühling gar nicht wie Frühling anfühlt?
Dann bist du nicht allein.
Nicht jede Frau erlebt die Follikelphase als Aufbruchsstimmung voller Energie und Tatendrang. Manche fühlen sich rastlos statt inspiriert, getrieben statt leicht oder einfach nur erschöpft.
Manchmal fehlt dem Körper schlicht die Grundlage für eine gesunde Hormonproduktion. Manchmal steckt das Nervensystem noch im Dauerstress-Modus, und manchmal trägst du noch die Erschöpfung der Menstruation mit dir herum.
Denn der Zyklus funktioniert nicht isoliert. Jede Phase baut auf der vorherigen auf. Wenn du dir im Winter keine echte Ruhe erlaubt hast, wird dein Frühling oft nicht die Kraft entfalten können, die eigentlich in ihm steckt.
Und manchmal liegt die Antwort noch tiefer.
Die Junge erinnert uns nämlich nicht nur an Aufbruch und neue Ideen. Sie erinnert uns auch an das Mädchen, das wir einmal waren. An die Zeit, in der wir die Welt neugierig erkundet haben, ohne alles sofort bewerten zu müssen. In der Freude noch keinen Zweck erfüllen musste.
Vielleicht musstest du schon früh vernünftig sein. Vielleicht hast du gelernt, dass Leistung wichtiger ist als Leichtigkeit. Vielleicht wurde aus Neugier Verantwortung, aus Verspieltheit Anpassung und aus Freude irgendwann Funktionieren.
Dann kann es sein, dass dir die Energie der Jungen heute fremd erscheint.
Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht da ist. Sondern dass du wieder lernen darfst, ihr mehr Raum zu geben.
Was du jetzt konkret tun kannst
Die Junge möchte kein Optimierungsprojekt. (Bitte nicht noch eine Morgenroutine. 🙄)
Sie möchte vor allem eines: dass du wieder anfängst, dich zu begeistern. Ohne Zeitplan, ohne Outcome, ohne sofort zu fragen, ob es sich lohnt.
Für deine Energie » Die Follikelphase liebt Bewegung, die Spaß macht. Tanzen, Laufen, etwas Neues ausprobieren. Dein Körper hat gerade Lust auf Bewegung – gib ihr einen Kanal.
Für die Junge » Mach etwas zum ersten Mal. Nicht weil es produktiv ist, sondern weil es dich neugierig macht. Einen Kurs belegen, ein Buch beginnen, eine Idee aufschreiben, die du schon lange vor dir herschiebst.
Für dein System » Plane anspruchsvolle Termine, wichtige Gespräche und neue Projekte in diese Phase. Dein Gehirn ist gerade auf Aufnahme eingestellt – nutz das bewusst.
FAQ
„Warum habe ich in dieser Phase so viele Ideen, setze aber nichts davon um?“
Weil die Junge mehr Ideen produziert, als eine Phase umsetzen kann. Das ist kein Fehler, das ist ihr Job. Schreib die Ideen auf und entscheide in der Follikelphase des nächsten Zyklus, was davon wirklich noch geblieben ist.
„Ich fühle mich in dieser Phase eher rastlos als leicht. Warum?“
Rastlosigkeit ist oft das Signal eines Nervensystems, das nicht wirklich zur Ruhe gekommen ist. Wenn die Menstruationsphase zu kurz oder zu stressig war, springt der Körper nicht einfach in Leichtigkeit. Er braucht zuerst echte Erholung.
„Wie unterscheide ich echte Begeisterung von Ablenkung?“
Echte Begeisterung der Jungen fühlt sich leicht an, nicht getrieben. Sie zieht dich zu etwas hin, statt dich von etwas wegzudrängen. Wenn sich eine Idee nach Flucht anfühlt, ist es Ablenkung. Wenn sie sich nach Entdeckung anfühlt, ist es die Junge.
Fazit: Die Junge möchte nicht perfekt sein – sie möchte lebendig sein
Vielleicht erinnerst du dich gerade an eine Seite in dir, die lange keinen Platz mehr hatte. An den Teil von dir, der neugierig war, der sich begeistern konnte, der Dinge nicht immer erst auf ihren Nutzen geprüft hat.
Oder du denkst an etwas, das du als Kind geliebt hast und das irgendwo zwischen Verantwortung, Verpflichtungen und Erwachsensein verloren gegangen ist.
Die Follikelphase ist nicht dazu da, dich zu noch mehr Leistung anzutreiben. Sie möchte dir etwas ganz anderes zeigen: dass du Neues ausprobieren darfst, ohne sofort gut darin zu sein. Dass du deine Meinung ändern und Fehler machen darfst. Und vor allem, dass Freude nichts ist, das du dir erst verdienen musst.
Die mutigste Frage, die du dir in dieser Phase stellen kannst, ist nicht „Was sollte ich jetzt angehen?“ sondern „Wobei vergesse ich alles um mich herum?“ Denn genau dort wartet die Junge auf dich.
Welche Idee schlummert gerade in dir, die du schon viel zu lange vor dir herschiebst? Schreib sie mir in die Kommentare. Ich bin gespannt. 💛






