Zyklisch leben statt Dauerstress: Der Gamechanger für Frauen

Ich dachte jahrelang, zyklisch leben wäre einfach so ein Trend mit Mondritualen und anderem esoterischen Schischi. Bis mein Körper irgendwann angefangen hat, mir ziemlich deutlich zu zeigen, dass ich gegen meinen weiblichen Rhythmus arbeite.

Morgens, wenn der Wecker unbarmherzig klingelte, waren da sofort diese Gedanken:
„Ich kann einfach nicht mehr. Ich will einfach nur schlafen. Ohne Kaffee läuft heute nix.“
Und dann hab ich mich aus dem Bett gequält und hab angefangen zu funktionieren.
Frühstück machen, Familie versorgen, räumen und rödeln. Wie so eine Maschine… nur ohne Akku.

Ich erinnere mich noch genau an einen Abend: Ich saß auf dem Sofa, komplett fertig, Tränen überströmt und dachte nur:
„Warum kriegen das eigentlich alle anderen hin… nur ich nicht?“ Dabei machte doch fast alles richtig. Ich ernährte mich gut, ich machte regelmäßig Sport, ich zog durch. Und trotzdem war ich unendlich erschöpft, ständig gereizt, von PMS ganz zu schweigen. Lust auf Intimität war schon lange nicht mehr vorhanden und meine Haut, sah aus, wie bei einem Teenager mit Liebeskummer

Und das Schlimmste? Ich dachte wirklich… das ist normal. Das gehört zum Frau sein, zum Erwachsen sein einfach dazu.

Frauen und Männer haben verschiedene Hormonzyklen (Frauen sind keine kleinen Männer)

Ich weiß noch, dass ich vor ca. 5 Jahren zum ersten Mal etwas hörte von „zyklisch leben“. Und das damit nicht nur die Menstruation gemeint ist. Tief in mir spürte ich, dass so, wie ich lebte, komplett gegen meine weibliche Natur arbeitete. Aber da ich ja müde war und eh schon kaum Zeit hatte, wollte ich mir nicht noch mehr aufhalsen, in dem ich mich nach meinem Zyklus richtete. Ich fühlte mich so schon oft genug fremdbestimmt.

Wir wachsen leider in einer Welt auf, die uns beibringt: Bitte konstant liefern, immer funktionieren und durchziehen, egal wie du dich fühlst. Disziplin ist das A und O.
Klingt vertraut, oder? … ist aber kompletter Bullshit für deine weibliche Biologie.

Warum?
Weil wir Frauen nicht linear funktionieren.
👉 Männer haben einen  24-Stunden-Zyklus (wie die Sonne ☀️). Das heißt, ihr Hormonprofil ist im 24/7 Rhythmus, immer gleich vom Ablauf. 
👉 Frauen haben einen ca. 28-Tage-Zyklus (wie der Mond 🌙). Wir haben Phasen in denen wir energiegeladen und so richtig blühend sind und Phasen wo alles in uns nach Rückzug schreit.

Und jetzt rate mal, nach welchem System unsere Gesellschaft aufgebaut ist?
Genau! Wie die Sonne. Und Frauen sollen bitte genauso funktionieren, wie kleine Männer. 

Du wirst alle paar Tage zu einer anderen Version von dir selbst. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass wir pro Monat 4 verschiedene Persönlichkeiten verkörpern. 

Also hier schon mal den Zuspruch: du bist nicht „launisch“ oder kompliziert. Du bist biologisch zyklisch.
Es ist normal, dass deine Energie schwankt, deine Bedürfnisse sich abwechseln und deine Lust auf Nähe oder Abstand sich verändern. 
Wenn wir versuchen, jeden Tag gleich zu funktionieren, arbeiten wir dauerhaft gegen uns selbst. Das kostet uns schlussendlich viel Energie, unsere kostbaren Nerven und auf lange Sicht gesehen, unsere Gesundheit.

Warum dein Körper gerade SOS schreit (und du es nicht ignorieren solltest)

Viele Frauen kommen irgendwann an diesen Punkt wo Schlafprobleme, Gewichtszunahme ( die richtig hartnäckig ist), Stimmungs-Achterbahn, Heißhunger und ‚keine Energie mehr für irgendwas‘, zu dem täglich harten Brot gehören.

Und weißt du, was wir dann oft machen? Richtig! Wir denken: „Ich muss mich noch mehr zusammenreißen.“
Also versuchen wir es mit noch mehr Disziplin und noch mehr Kontrolle. Ich glaub ich muss nicht erwähnen, wie sehr wir uns damit unter Druck setzen, right?

Spoiler: Genau das macht alles noch schlimmer.
Die unbequeme Wahrheit: Dein Zyklus ist nicht das Problem… sondern das Funktionieren wollen, obwohl dein Körper schreit.

Sind wir mal ehrlich, wir wurden so geprägt: Sätze wie „Reiß dich zusammen“, „Stell dich nicht so an“ oder „Andere schaffen das doch auch“ fühlen sich leider allzu vertraut an. 
Logisch, dass wir irgendwann an den Punkt kommen wo wir fest davon überzeugt sind: Mit mir stimmt etwas nicht.

Aber die Wahrheit ist:
Du versuchst, vorwärts zu kommen und siehst nicht, dass du dich im Kreis drehst. Höchste Zeit also, sich mal mit dem Thema zyklisches Leben auseinanderzusetzen. 

Was zyklisch leben wirklich bedeutet (und warum es dein Leben verändern kann)

Und bevor wir da reingehen, möchte ich einen wichtigen Hinweis hierlassen:
Zyklisch leben ist kein weiteres lästiges to-do auf deiner eh schon vollen Liste. Es geht nicht darum noch mehr zu leisten. 
Es bedeutet vorallem, deinen Körper endlich zu verstehen… und MIT ihm arbeiten statt gegen ihn. Deine Energie zu nutzen, statt sie zu bekämpfen. Cleverer zu planen und nicht noch härter und disziplinierter durch den Alltag zu rennen. Emotionen besser zu verstehen und aufzuhören, dich selbst zu sabotieren. 
Ich verspreche dir, du wirst plötzlich etwas Verrücktes bemerken: Du schaffst mehr… mit weniger Stress.

Die 4 Phasen deines Zyklus – und warum sie dein Leben komplett verändern können

Der weibliche Zyklus erinnert eigentlich sehr an den natürlichen Verlauf eines meteorologischen Jahres. 

Im Frühling und Sommer zieht es uns nach draußen. Wir wollen was erleben, reisen, Menschen treffen, Abenteuer erleben und das Leben voll auskosten. Wir fühlen uns leicht, energiegeladen und wollen mit anderen connecten. 

In der Follikelphase (direkt nach der Periode) und in der Ovulationsphase (rund um den Eisprung) fühlen wir uns offener, sozialer, kreativer und sind mehr nach außen gerichtet. Wie die Natur, die plötzlich wieder blüht und zum Leben erwacht. 
Vor allem im Sommer (rund um den Eisprung) sind wir aktiv. Wir fühlen uns absolut schön und strahlend. Schließlich ist dies die Phase, in der wir fruchtbar sind, es ist absolut (bio)-logisch, dass wir uns nach zwischenmenschlichen Kontakten sehnen. 

Dann kommt der zyklische Herbst (Lutealphase) 
Wir spüren, dass der Sommer vorbei ist und der Winter herbeieilt. Man will noch alles erledigen, was liegen geblieben ist. Der Garten muss noch winterfest gemacht werden, das Haus soll vorbereitet sein, für die dunklere Jahreszeit und trotzdem will man noch die letzten schönen Sonnentage draußen genießen. 
Und oft hetzen wir in dieser Phase dann am meisten, weil wir spüren, dass die Energie sich verlangsamt. Und dann wundern wir uns über PMS und Stimmungsschwankungen. 

Die Menstruation ist der zyklische Winter. Die Phase, die die meisten am liebsten überspringen wollen. Ich will ehrlich sein, ich habe die Zeit der Blutung oft verflucht. Mittlerweile konnte ich meine Perspektive komplett verändern.
Denn eigentlich ist der zyklische Winter eine Phase von Rückzug, von Ausruhen, Wärme und Gemütlichkeit. Eine Zeit, in der wir uns auf das wesentliche Besinnen, reflektieren, was war und loslassen, was nicht mehr zu uns gehört. 
Aber weil wir in einer Welt leben, die auf Leistung aus ist, versuchen wir uns auch hier weiter zu pushen. Wir funktionieren, leisten, hetzen, obwohl alles in uns nach Rückzug schreit. 

Ist es also verwunderlich, dass viele Frauen den weiblichen Zyklus als lästig empfinden, weil die Gesellschaft so wenig Raum dafür gibt? Dass viele Frauen ihren Zyklus mit einer Pille unterdrücken, nur um den gesellschaftlichen Standards zu entsprechen und dauerhaft dieselbe Leistung abrufen können? Dass PMS und Schmerzen so normal geworden sind? Dass so viele Frauen chronisch erschöpft und müde sind und im Burnout landen? Ich denke nicht.

Ich empfinde meine Blutung nicht mehr als erschöpfend, seitdem ich die Weisheit meines weiblichen Zyklus kenne und auslebe. Wie ich eine Phase erlebe und auskoste, entscheidet massiv darüber, wie ich die anderen Phasen erlebe. 

Und weil mir diese Fragen häufig begegnen, werde ich sie hier einmal beantworten:

„Was, wenn ich gar keinen regelmäßigen Zyklus habe?“
Genau dann ist es umso wichtiger, dich damit zu beschäftigen. Dein Körper gibt dir wichtige Hinweise. Es gibt Möglichkeiten zu lernen, sie zu lesen.

„Ist das nicht mega aufwendig?“
Am Anfang ja. Aber ehrlich: Dauererschöpfung ist auch aufwendig.

„Kann ich das trotz Job und Familie umsetzen?“
Ja.Definitiv und ich kann auch empfehlen, den Partner über die Phasen aufzuklären. Das führt langfristig zu mehr Verständnis und Ruhe. Und mein Rat: auch Kinder können schon früh lernen, was Mama im Zyklus durchlebt. Töchter werden profitieren und Söhne können so schon einen Einblick in die Welt des weiblichen Zyklus bekommen. Es geht dabei nicht um alle kleinen Details, sondern um das Bewusstsein für den weiblichen Zyklus.

„Hilft das wirklich bei PMS?“
In vielen Fällen: ja. Weil du nicht mehr gegen deine Biochemie arbeitest, was dauerhaft zu mehr Ruhe im Nervensystem führt.

Fazit: Du bist nicht zu schwach oder undiszipliniert 

Wenn du gerade das Gefühl hast: „Ich bin einfach nicht gut genug…“
Dann hör mir kurz zu. Das Problem ist nicht, dass du zu undiszipliniert oder zu sensibel bist, sondern der Irrglaube, dass wir Frauen an 30 Tagen im Monat, permanent die gleiche Leistung abrufen können. Und das Beste? Du kannst es jederzeit ändern. Mit etwas, das du schon längst in dir trägst: deiner weiblichen Bio-Chemie.

Und jetzt mal ehrlich…
Was wäre, wenn du morgens wieder mit Energie aufwachst, im Einklang mit deinen Körper lebst und nicht mehr ständig gegen dich kämpfst?

Klingt gut, oder?

Dann ist das hier dein Zeichen: Fang an, deinen Zyklus kennenzulernen. Das geht nicht von heute auf morgen und das Ziel ist auch nicht Perfektion. Aber Schritt für Schritt werden sich Verbesserungen einstellen. 

Und glaub mir…dein Körper wird es dir zeigen.

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