Keywords: Ovulationsphase, Eisprung, zyklischer Sommer
Es gibt diese Tage, da ziehst du morgens nicht einfach irgendeinen Pullover an.
Du ziehst genau den an, in dem du dich hübsch fühlst. Vielleicht trägst du sogar wieder den Lippenstift auf, der seit Monaten unbenutzt in der Schublade liegt. Die Musik im Auto drehst du laut auf und schmetterst mit. Und beim Kochen tanzt du wild durch die Küche. Du schreibst einer Freundin, die du schon lange nicht mehr gesehen hast.
Und wenn dein Partner zufällig an dir vorbeiläuft, denkst du dir: Hm, den will ich vernaschen. Obwohl derselbe Mann vor zehn Tagen noch verdächtig laut geatmet hat.
Willkommen im inneren Sommer. Willkommen in der Ovulationsphase. Und willkommen bei zwei Archetypen, die in dieser Zeit auftauchen und dein Leben entweder in vollem Glanz erstrahlen lassen oder dich in komplette Verwirrung stürzen.
Die Liebende. Und die Mutter.
Klingt romantisch. Ist es auch. Aber es gibt ein paar Wahrheiten über diese Phase, die kaum jemand ausspricht. Und genau die bekommst du heute.

Was biologisch passiert – nur kurz, versprochen
Rund um den Eisprung steigen Östrogen und LH auf ihren Höchststand. Testosteron kommt dazu. Mehr Energie, mehr Ausstrahlung, mehr Lust auf Verbindung, mehr Lebendigkeit.
Und noch etwas, das kaum jemand benennt: Wir sind in dieser Phase sensorisch feinfühliger. Wir nehmen mehr wahr. Mehr Nuancen, mehr Stimmungen, mehr von dem, was zwischen den Zeilen passiert. Wir suchen Kontakt, wir sind gastfreundlicher, wir öffnen uns dem Leben und den Menschen darin.
Das ist kein Zufall. Das ist Biologie, die dich buchstäblich in Richtung Welt schubst.
Wahrheit Nr. 1: Die Liebende ist nicht die, die du denkst
Vergiss Kerzen und Rosenblätter.
Die Liebende ist ungezähmt. Sie will sich zeigen, nicht um zu gefallen, sondern einfach weil sie ist. Liebe ist für sie nichts, was sie sich verdienen muss, sondern ein Ausdruck ihrer selbst. Sie liebt seelisch und energetisch, aus einer Fülle heraus, die nichts mit Leistung zu tun hat.
Sie hat sexuelle Energie, die ausgelebt werden will. Und diese Energie ist weit mehr als körperliche Lust, sie ist schöpferisch. Die Liebende fragt nicht nur: Auf wen bin ich gerade heiß? Sie fragt: Auf was habe ich richtig Lust im Leben? Was will ich kreieren, erleben, erschaffen?
Sie will lieben und geliebt werden. Sich zeigen und gesehen werden. Sich hingeben und empfangen.
Und sie erlebt Ablehnung als persönlichen Schmerz. Das ist ihre Verletzlichkeit und gleichzeitig ihre größte Kraft. Weil nur jemand, der wirklich fühlt, auch wirklich liebt.
Wahrheit Nr. 2: Die Mutter ist tragend – und so viel mehr
Die archetypische Mutter hat nichts mit Brotdosen und Wäschebergen zu tun.
Sie nährt aus Überfluss, nicht aus Pflichtgefühl. Sie gibt, weil es sich richtig anfühlt und nicht weil sie Angst hat, was passiert, wenn sie es nicht tut. Sie öffnet Räume. Sie vertieft Bindungen. Sie schützt das, was ihr wichtig ist, mit einer Kraft, die Auswirkungen hat.
Die Mutter möchte fühlen und Verbindung erleben. Sie möchte nichts oberflächliches. Sie steht für Liebe aus Reife, nicht aus Mangel.
Und sie stellt sich in dieser Phase eine Frage, die so simple klingt und gleichzeitig so selten wirklich gestellt wird: Wie kann ich die Mutter für mich selbst sein, die ich mir immer gewünscht hätte?
Wahrheit Nr. 3: Wenn beide in ihrer Kraft sind, pass auf
Die Liebende ist expressiv. Die Mutter ist tragend.
Die Liebende will sich zeigen, berühren und berührt werden, das Leben in vollen Zügen kosten, ohne vorher zu fragen, ob es gerade passend ist.
Die Mutter gibt aus Überfluss, nicht weil sie muss. Sie nährt, schützt und hält. Sie vertieft Bindungen, die bleiben und sie ist die Frau, bei der andere ankommen dürfen.
Wenn beide zusammen in ihrer Kraft sind, entsteht etwas, das Menschen magnetisch in ihren Bann zieht. Leidenschaft und Tiefe. Lebendigkeit und Sicherheit. Die Frau, die sich hingibt ohne sich zu verlieren.
Das ist der innere Sommer in seiner wildesten, schönsten Form.
WTF-Fakt: Mittelschmerz ist mehr als ein körperliches Signal
Viele Frauen kennen es, dieses Ziehen oder den Schmerz rund um den Eisprung. Medizinisch erklärt, hormonell bedingt.
Aber manchmal steckt mehr dahinter.
Frauen mit Geburtstraumata, mit einem unerfüllten oder noch ungelebten Kinderwunsch, mit einer komplexen Beziehung zur eigenen Weiblichkeit. Sie erleben die Ovulationsphase oft intensiver. Körperlich und emotional.
Das ist kein Zeichen, dass bei dir etwas falsch läuft. Es ist ein Zeichen, dass etwas gesehen werden möchte. 💛
Wahrheit Nr. 4: Die Schattenseiten – und die sind fies
Wenn die Liebende in den Schatten rutscht, sucht sie Bestätigung im Außen.
Hat jemand ihre Mühe bemerkt? War sie gut genug? Ist sie nachvollziehbar für alle?
Dann wird aus Liebe Taktik. Aus Hingabe wird Anpassung. Aus Verbindung wird Bedürftigkeit.
Die Liebende im Schatten gibt sich weg, um geliebt zu werden. Sie erlebt Ablehnung nicht als Information, sondern als Beweis: Ich bin nicht genug.
Die Mutter im Schatten übernimmt Verantwortung für alles und jeden. Für die Stimmung ihres Partners, für die Gefühle ihrer Kinder, für den Frieden in der Familie. Sie wird überfürsorglich, emotional verstrickt, aufopfernd.
Die Mutter im Schatten verliert sich im Geben, um gebraucht zu werden.
Und wenn beide Schatten gleichzeitig aktiv sind? Dann entsteht eine tiefe Erschöpfung, die sich unterschwellig die ganze Zeit fragt: Ist diese Liebe eigentlich an Bedingungen geknüpft? Und ist mein Wert die ganze Zeit an meine Leistung gebunden?
Wahrheit Nr. 5: Die Gesellschaft hat ein Problem mit der Liebenden
Sei schön – aber bitte natürlich.
Sei sexy – aber nicht zu viel.
Sei offen – aber bloß nicht bedürftig.
Zeig dich – aber nimm nicht zu viel Raum ein.
Die Liebende wird gesellschaftlich ständig in die Zange genommen. Sie soll verführerisch sein, aber nicht aufreizend. Präsent, aber nicht fordernd. Liebevoll, aber nicht anhänglich.
Kein Wunder, dass so viele Frauen diese Energie in sich unterdrücken.
Und dann fragen sie sich, warum sie sich in der Ovulationsphase nicht wie die strahlende Liebende fühlen. Warum die Leichtigkeit ausbleibt. Warum da eher Anspannung ist, als Lust.
Es wurde uns leider von Kindesbeinen an beigebracht, uns klein zu machen.
Wahrheit Nr. 6: Diese Phase will verkörpert werden – nicht verstanden
Die Liebende existiert nicht nur im Kopf. Sie lebt im Körper.
Und sie will verkörpern, was sie fühlt. Tanzen, sinnliche Bewegung, achtsame Berührung – von dir selbst und von anderen. Genussvolles Essen, das du wirklich zelebrierst. Erdende Bewegungen, die dich zurück in deinen Körper bringen.
Frage dich einmal: was brauche ich? Wie kann ich mich selbst nähren? Wie, mir selbst eine Mutter sein?
Wahrheit Nr. 7: Der innere Sommer zeigt dir, wo du dich selbst verlassen hast
Manchmal ist die Ovulationsphase nicht so strahlend und schön. Manchmal zeigt uns genau diese Phase, wo wir aufgehört haben, uns selbst zur Priorität zu machen.
Wo wir Nähe geben, aber selbst keine zulassen. Wo wir Ja sagen, obwohl alles in uns Nein schreit. Wo wir Verantwortung übernehmen, die nie unsere war.
Viele Frauen haben das Gefühl, sich am ehesten mit der Mutter identifizieren zu können. Weil sie die Liebende schon zu lange unterdrückt haben. Aber sie ist noch da.
Sie warten darauf, wieder eingeladen zu werden. Keine Sorge, sie ist kein Idealbild, welches du erfüllen musst.
Was du jetzt konkret tun kannst
Für die Liebende » Tanz. Ernsthaft. Alleine in der Küche, wenn niemand zuschaut. Trag die Kleidung, in der du dich schön fühlst – ohne Anlass. Frag dich: Auf was habe ich richtig Lust? Nicht was soll ich tun. Was will ich erleben?
Für die Mutter » Frag dich selbst, wie die Mutter für dich aussehen würde, die du dir immer gewünscht hättest. Und dann sei genau das für dich. Nährstoffreiche Mahlzeiten, Zink für die Hormonbalance, Magnesium für das Nervensystem, aber vor allem: Zeit, in der du empfängst statt gibst.
Für beide » Überprüfe, wo du Verantwortung trägst, die nicht deine ist. Wo du Ja sagst, obwohl du Nein meinst. Nicht als Vorwurf, sondern als ehrliche Bestandsaufnahme.
FAQ
„Was, wenn ich beim Eisprung körperliche Schmerzen habe?“ Mittelschmerz ist häufig und meist harmlos – aber manchmal ein Signal, das tiefer geht. Wenn der Schmerz stark ist oder emotional viel auslöst, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Hormonal und auch auf der emotionalen Ebene.
„Ich fühle mich in dieser Phase eher angespannt als leicht. Warum?“ Erhöhte Östrogenempfindlichkeit kann genau das auslösen. Aber manchmal ist es auch die unterdrückte Liebende – der Teil in dir, der sich zeigen möchte und gleichzeitig gelernt hat, sich klein zu machen. Beides ist möglich. Beides ist Information.
„Wie unterscheide ich echte Fürsorge von Überfürsorglichkeit?“ Echte Fürsorge kommt aus Überfluss. Du gibst, weil du willst. Überfürsorglichkeit kommt aus Angst. Du gibst, weil du Angst hast, was passiert, wenn du es nicht tust. Der Unterschied liegt im Gefühl davor – nicht im Verhalten selbst.
Fazit: Du bist die Liebende. Auch dann, wenn du es gerade nicht spürst.
Bitte sieh die Liebende und die Mutter nicht als Rollenbilder, denen du nacheifern musst.
Sie sind in erster Linie Energien, die in dir stecken. Schon immer. Auch wenn du keine Mutter bist und auch gerade nicht in einer Partnerschaft bist.
Der innere Sommer ist keine Einladung, um eine Performance hinzulegen. Er lädt dich ein, zu fühlen, dich zu zeigen und zu empfangen. Du darfst lieben, ohne dafür erst etwas leisten zu müssen.
Die mutigste Frage, die du dir in dieser Phase stellen kannst, ist nicht „Was ist der nächste Punkt auf meiner to-do-Liste?“ – sondern „Was will ich wirklich fühlen?“
P.S. Du willst tiefer in die Welt des zyklischen Lebens einsteigen? Dann trag dich in meinen Newsletter ein. Dort teile ich Zykluswissen, das sich nicht wie ein Biochemie-Lehrbuch liest. Versprochen.






